Microsoft teste die 4-Tage Woche in Japan

Microsoft testet die 4-Tage-Woche in Japan. Die Ergebnisse überzeugen: Fehltage sinken, Produktivität steigt und positive Auswirkungen auf die Umwelt. Der Stromverbrauch des Unternehmens sank um 23,1 Prozent und es wurden 58,7 Prozent weniger Kopien und Ausdrucke angefertigt. Insgesamt bewerteten die Mitarbeiter die Testphase positiv, auch wenn es einigen Mitarbeitern, die direkt mit Kunden arbeiten, schwer fiel, am Freitag abzuschalten. Letztendlich konnten sich über 92 Prozent für die Verkürzung der Arbeitswoche begeistern.

Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass sich die Arbeitskultur und die Arbeitseinstellung in Japan doch deutlich zu der hiesigen unterscheidet.

Japaner arbeiten laut OECD etwa 1772 Stunden, Deutsche dagegen nur 1432 Stunden. Allerdings bedeutet eine längere Anwesenheit nicht, dass sie auch automatisch produktiver sind. Ein 12 Stunden-Tag bedeutet nicht automatisch 12 Stunden Arbeit. Hier spielt vor allem die Arbeitskultur eine Rolle: Ein japanischer Arbeitnehmer demonstriert sein Engagement durch lange Arbeitstage. So wollen viele vor ihrem Chef da sein und nach ihm gehen, das ist eine Frage der Kultur, nicht der Produktivität.

Überstunden stehen deshalb bei den meisten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf der Tagesordnung und beinflussen das gesamte Leben. Das geht inzwischen so weit, dass viele japanische Frauen, die berufstätig bleiben wollen, lieber auf eine eigene Familie verzichten als auf den Job. Es ist in Japan immer noch üblich, dass verheiratete Frauen zu arbeiten aufhören, da ein Job mit der enormen Präsenzkultur, extrem schwieriger mit einer eigenen Familie zu vereinbaren ist. Japans Bevölkerung schrumpft daher dramatisch.

Deshalb hat die japanische Regierung in den letzten Jahren mehrere Vorstöße unternommen, um eine bessere work-life-balance zu etablieren.

Unter diesen Rahmenbedingungen lässt sich auch das Experiment von Microsoft besser verstehen. Es geht in diesem Fall ganz klar um einen gesellschaftlichen Wandel – ein Change-Projekt in Bereich Arbeitskultur & Mindset – nicht nur um eine einfache Reduktion der Arbeitszeit. Microsoft ermöglicht seinen Arbeitnehmern auf effizientes Arbeiten zu setzen und sich von der bisherigen Präsenzkultur zu lösen. Ein firmeninternes Experiment, das einen Veränderung der gesamte japanische Arbeitskultur in die Wege leiten könnte.

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